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News vom 20.05.2019

Studie: The Communicative Organization

eingeordnet von Anne-Katrin Ehrt
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Studiensteckbrief: The Communicative Organization

Erkenntnisinteresse

Was verstehen schwedische Angestellte unter einer kommunikativen Organisation? Wie nehmen sie die Rolle und Aufgaben von Kommunikatoren wahr? Was sind aktuelle Herausforderungen für Kommunikatoren?


Methode

Zusammenfassung der Ergebnisse einer Forschungsreihe aus quantitativen Befragungen (über 8.000 Antworten) und qualitativen Tiefeninterviews (170 Befragte) unter Mitarbeitern von 11 öffentlichen Organisationen und großen Unternehmen in Schweden. Befragungszeitraum 2014-2018.


Ergebnisse

Die Autoren gehen davon aus, dass veraltete Konzepte von Kommunikation dafür verantwortlich sind, dass Kommunikatoren nur schwer zu strategischen Playern im Unternehmen werden. Die Idee der „kommunikativen Organisation“ entstand 2010 im Rahmen der „Global Alliance“, eines internationalen Netzwerkes von Kommunikatoren, beim Versuch den Wertbeitrag von Kommunikation und Kommunikatoren für Organisationen zu fassen. Statt auf Informationsbeschaffung und -verbreitung beschränkt zu sein, steht Kommunikation hier für einen sozialen Prozess, in dem Bedeutungen gemeinsam geschaffen und verhandelt werden.

Aus den Befragungsergebnissen heraus definieren die Autoren eine Organisation als kommunikativ, wenn unter anderem

  • Übereinkunft herrscht, dass Kommunikation grundlegend für Überleben, Zielerfüllung und Erfolg der Organisation ist

  • die verschiedenen Stimmen innerhalb der Organisation wertgeschätzt und aktiv gehört werden

  • Kommunikatoren als Experten auftreten, die die kommunikative Entwicklung der Organisation steuern


Damit eine Organisation kommunikativ wird, schlagen die Autoren u.a. folgende Schritte vor:

  • Das gemeinsame Verständnis von Kommunikation weiterentwickeln, z.B. bezüglich, Dialogorientierung, Corporate Listening und Feedback-Kultur, reflektiertem Umgang mit neuen technischen Möglichkeiten
  • Messbare Ziele formulieren, Zielerreichung anstreben, messen und daraus lernen

  • Die Kommunikatoren von operativen Dienstleistern hin zu strategischen Lenkern entwickeln

  • Ein vertrauensvolles, offenes Kommunikationsklima innerhalb der Organisation schaffen

  • An der Identifikation der Mitarbeiter mit der Organisation arbeiten und Kompetenzen schulen, damit sie der Rolle als Botschafter der Organisation gerecht werden können


Die Studienergebnisse bestätigen die im European Communication Monitor 2018 ermittelten Herausforderungen für Kommunikatoren: Vertrauen aufbauen und erhalten, Kommunikation an die Strategie einer Organisation binden, den digitalen Wandel gestalten. Zusätzlich nennt die Studie als weitere Kernaufgaben

  • neue Kommunikatoren-Rollen und neu zu erarbeitenden Kompetenzen aktiv angehen

  • akzeptieren, dass es häufig spannungsreiche und paradoxe Situationen gibt, die sich nicht auflösen lassen, und damit umgehen lernen

  • Offenheit für digitale Möglichkeiten und gleichzeitig Raum für reale Beziehungen schaffen

  • immer wieder Neues ausprobieren und sich weiterentwickeln

Unser Fazit

Die vorliegende Veröffentlichung fasst die Ergebnisse aus vorhergehenden Teilstudien zusammen und verzichtet dabei auf eine detaillierte Darstellung der Datenbasis. Die Autoren verflechten ihre Ergebnisse eher beiläufig mit wichtigen aktuellen Studien und Trends, zum Beispiel zur Rolle der Kommunikatoren, ihren Kenntnissen strategischer Tools, zu Mitarbeitern als Corporate Influencern und dem Umgang mit unstrukturierter interner Kommunikation.


Dadurch liest sich die Publikation wie ein Thesenpapier, das in einem Rundumschlag die „kommunikative Organisation“ als Lösungsansatz für die wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre vorstellt. Das ist nicht im Detail nachvollziehbar (die zugrundeliegenden Studien sind auf Schwedisch abrufbar), aber in der Dichte der verwobenen Ansätze inspirierend und in den Einzelheiten, zum Beispiel in der Kombination von Neuausrichtung und gleichzeitiger Zielsetzung und -Messung, umfassend gedacht.


Die Autoren weisen darauf hin, dass in Schweden kollaboratives Arbeiten aus der historischen Entwicklung heraus weiter verbreitet ist als in anderen Ländern. Damit könnte sich das skizzierte Modell vor allem für Kommunikatoren interessant erweisen, deren Organisationen sich derzeit agil aufstellen.

Veröffentlichung

Mai 2019: Department of Strategic Communication, Lund University: Mats Heide, Charlotte Simonsson, Howard Nothhaft, Rickard Andersson, Sara von Platen

Mehr Informationen zur Studie: The Communicative Organization

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