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News vom 13.06.2018

Studie: Deutschlands Blogger – Die unterschätzten Journalisten

Sabine Müller-Gora
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Studiensteckbrief: Deutschlands Blogger – Die unterschätzten Journalisten

Erkenntnisinteresse

Wie bewerten Journalisten und Blogger ihre eigenen Leistungen und die der anderen Gruppe? Wie unterscheiden sich beide Gruppen voneinander (Rollenselbstverständnis, Qualitätsverständnis)? Wie verhält es sich mit ihrer Nähe zum Publikum? Wie bewerten die beiden Gruppen PR-Angebote?


Methode

Mehrstufiges Methodendesign (auf Deutschland begrenzt):

  • Experteninterviews mit 20 journalistischen Bloggern (d.h. Blogs folgen publizistischen Kriterien wie redaktioneller Autonomie, Aktualität und Periodizität, Befragungszeitraum Februar bis Juni 2016)
  • Onlinebefragung von 936 Journalisten und 463 journalistischen Bloggern (Befragungszeitraum Februar bis April 2017) sowie
  • Onlinebefragung von 156 Nutzern, die entweder nur journalistische Blogs, nur journalistische Angebote oder beides rezipieren (Befragungszeitraum September bis November 2017)


Ergebnisse

Die Studie deckt folgende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen journalistischen Bloggern und professionellen Journalisten auf:

  • Berufliche Qualifikation: Blogger verfügen über eine geringere journalistische Ausbildung – nur 15 Prozent haben ein kommunikations- oder medienwissen-schaftliches Studium abgeschlossen. Mehr als die Hälfte der Journalisten haben ein Volontariat durchlaufen, bei den Bloggern sind es weniger als 10 Prozent.
  • Tätigkeiten: Für beide Berufsgruppen sind Schreiben und Redigieren zentrale Aufgabenfelder. Unterschiede werden bei Recherchearbeiten deutlich: Blogger recherchieren beinahe ausschließlich online, während Journalisten auch andere Recherchewege intensiv nutzen.
  • Rollenselbstverständnis: Beide Gruppen wollen mit ihren Artikeln Informationen vermitteln. Bloggern ist darüber hinaus wichtig, ihre Rezipienten zu unterhalten, während Journalisten eher investigativ bzw. kritisch berichten möchten.
  • Qualitätsverständnis: Journalistische Qualitätskriterien werden von beiden Gruppen leicht unterschiedlich bewertet. Grundsätzlich legen Journalisten u.a. etwas mehr Wert auf die Richtigkeit von Informationen, die Glaubwürdigkeit und die Unabhängigkeit derBerichterstattung. Bloggern sind hingegen publikumsorientierte Qualitätsdimensionen wie die Auswahl und Aufbereitung unterhaltender Inhalte wichtiger.
  • Nähe zum Publikum: Der Leser steht im Fokus der Tätigkeit eines Bloggers. Er nimmt mehrheitlich großen bis sehr großen Einfluss auf ihre Arbeit. Nur knapp 25 Prozent der Journalisten gestehen ihrem Publikum eine große Einflussnahme zu. Blogger beziehen ihre Leser deutlich häufiger ein und sind für sie auch erreichbar.
  • Standing der PR: Beide Gruppen sind nur begrenzt zufrieden mit den Leistungen der PR-Abteilungen und bemängeln die Qualität. Blogger kritisieren u.a. die Kompetenz der Ansprechpartner in den Unternehmen und deren fehlendes Wissen zu einzelnen Blogs. Angebote der PR-Abteilungen würden entsprechend wahllos versandt werden. Pressemitteilungen werden von beiden Gruppen als mäßig zuverlässig und aufbereitet eingeschätzt. Aufgrund der Fülle der angebotenen Pressemitteilungen stellen sie keine wirkliche Hilfe im Rechercheprozess dar.


Die Studie kommt zu der Erkenntnis, dass Blogger aktuell keine Konkurrenz für Journalisten sind, trotz der festgestellten Gemeinsamkeiten beider Gruppen. Dies liegt u.a. daran, dass derzeit nur wenige Blogger ihren Lebensunterhalt mit ihrer Tätigkeit finanzieren können und dass aktuell kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell in Sicht ist, das diesen Umstand ändern könnte. Lediglich Modeblogs hätten aufgrund der Vielzahl von Modebloggern mit nennenswerter Reichweite (geschätzt mehrere Tausende) das Potenzial in Wettbewerb mit journalistischen Onlineangeboten zu treten.

Unser Fazit

Journalistische Blogger und professionelle Journalisten haben mehr gemein als auf den ersten Blick vielleicht vermutet wird. Die wichtigsten Ziele journalistischer Arbeit werden von Journalisten und Bloggern fast identisch bewertet. Der Unterschied manifestiert sich in zwei Kriterien, die auch für das Selbstverständnis der jeweiligen Gruppe stehen könnten: Während Bloggern die persönliche Perspektive und damit die Authentizität wichtig ist, setzen Journalisten an dieser Stelle auf Neutralität.

Die Studie gibt einen detaillierten Einblick in die verschiedenen Facetten der Tätigkeit beider Gruppen und bezieht dazu Untersuchungs- und Forschungsergebnisse der letzten Jahre mit ein. Die Autoren weisen darauf hin, dass eine vergleichbare Studie in 10 Jahren, u.a. aufgrund der wachsenden Beliebtheit von Social Media Plattformen, zu ganz anderen Ergebnissen führen könnte. So ist die Studie eine wertvolle Momentaufnahme zweier Berufsgruppen, gespickt mit einzelnen, aber wertvollen Impulsen für PR-Abteilungen, wie sie ihre Zusammenarbeit mit Bloggern und Journalisten weiter verbessern können.

Veröffentlichung

Juni 2018: Olaf Hoffjann, Oliver Haidukiewicz


Mehr Informationen zur Studie: Deutschlands Blogger – Die unterschätzten Journalisten

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